Charly und die Mc-Stores

Von Brian kam gerade ein Link zu dieser Analyse der Probleme von Starbucks. Kurz gesagt: Die Leute sind genervt, dass ihre Einkaufsstraßen alle gleich aussehen, sowie besorgt, dass sie nicht "individuell" genug sind und wollen jetzt wieder lokale Läden. Starbucks versucht dem zu begegnen indem sie ihre Läden individuell einrichten und nach dem Ort an dem sie stehen benennen, aber das ist halt nicht "echt" und entsprechend funktioniert es nicht. Ich glaube ja auch, dass ein Problem ist, dass sie damit ihren einzig wirklich Vorteil verlieren: Wiedererkennung. Ich geh nie in Starbucks -- außer ich bin gerade auf irgendeinem anonymen Bahnhof oder Flughafen, habe keine Lust auf Experimente. Dann weiß ich bei den Mc-Stores, was ich kriege. Das passiert sogar relativ häufig in letzter Zeit, allerdings weniger mit Starbucks sondern eher mit McDonalds. Anscheinend ist mir bei Kaffee Qualität wichtiger als bei einem kurzen Snack zwischendurch ;-) Insgesamt erinnert mich das aber an etwas, was ich beim Verlassen meines Heimatdorfes gemerkt habe: Die meisten Imbissbuden sind schlecht und ich hatte das seltene Glück, dass bei uns zu Hause um die Ecke eine der wenigen Guten war: "Charlies Imbiss". Dieser Imbiss ist bei uns heute noch legendär, und nicht nur aus Nostalgie. Charly hat nämlich ein sehr abruptes und unschönes Ende genommen: Er wurde von einem Typen, mit dem seine Frau fremdgegangen ist, erschossen, als er ihn zur Rede stellen wollte. Seine Frau hat den Laden weitergeführt, aber danach sind wir nie wieder hingegangen. Es gibt aber auch positivere Dinge sich zu erinnern -- so war Charlies Hamburger ebenfalls legendär. Ich habe nie vorher oder nachher wieder einen Hamburger mit Krautsalat gegesssen ;-) Als ich noch kleiner war, gab es bei Charly außerdem Arcade-Konsolen mit Side-Scrolling-Shootern, in denen man sein kärgliches Taschengeld bis zum "Game Over" verspielen konnte. Kurze Zeit später konnte man dann die ersten Home-Konsolen kaufen, aber bis dahin war Charly der einzige Laden weit und breit, der sowas hatte. All das hat sich in meinem Hirn fest eingebrannt und ist auf ewig mit der etwas bärbeissigen Figur "Charly" hinter seiner Theke verbunden. Wie soll ein Mc-Store da jemals rankommen? Aber, wie gesagt, die meisten Imbissbuden sind (oder waren) schlecht und wenn die Mc-Stores dafür sorgen, dass sich da ein bisschen was verbessert, weil sie einen vernünftigen Basis-Level schaffen -- das ist auch was wert. Ich würde mich also nicht unbedingt der kategorischen Verdammung von Franchises wegen Gleichmacherei anschließen. Allerdings schon der kategorischen Verdammung der Arbeitsbedingungen in Franchises.