"Shotwell" photo manager
Durch Zufall bin ich letztens über den "Shotwell"-Photomanager gestolpert und der sah sehr schlank und leicht aus, was mich interessiert hat. Heute war dann die Gelegenheit zum Test und das bisherige Fazit ist: Super, nehm ich, selbst schon in der aktuellen 0.3er Version ;-)
Zum Hintergrund: Ich habe lange Zeit F-Spot benutzt und die Funktionalität hat mir auch immer gereicht, aber das Teil war einfach zu langsam und dieser Umstand wurde auch mit neueren Versionen eher schlechter. Außerdem hatte sich m.E. mit der Zeit die UI für Dinge wie crop eher verschlechtert (kein keep-ratio mehr??) und Dinge die ich für die Photo-Nachbearbeitung extrem hilfreich finde, wie z.B. das GIMP "Levels"-Tool zur manuellen Kontrastanhebung, gabs noch nie. Das man Photos nicht per drag'n'drop in meinen bevorzugten flickr-Uploader ziehen kann, hat mich auch schon immer genervt.
Also bin ich vor ca. 2 Monaten auf Picasa umgestiegen und das war auch schön fix, aber der Organizer ein deutlicher Rückschritt: Da werden die Namen der Ordner verwendet und wenn man eine "Jahr/Monat/Tag" Hierarchie hat, was ja nicht unüblich ist, ist das damit sehr unübersichtlich. Aber OK, ich bin ja anpassungsfähig und habe meine Ordner nach Ereignissen benannt. Was ist das Ergebnis? Die Ordner werden nicht nach dem Photo-Datum sortiert, was mir komplett unverständlich ist, und damit ist die Reihenfolge wieder im Eimer.
Naja, immerhin wars schnell ;-)
Dann kam heute Shotwell. Installation per PPA, nix zu meckern. Der Anfang war dann erstmal schwer: Import meiner knapp 10.000 Fotos, ungefähr die Hälfte davon 12MP, hat geschlagene 3 Stunden gedauert.
Danach aber war ich unmittelbar positiv überrascht.
Erstmal ist es schnell: Sowohl das scrollen durch die Thumbnails als auch das Wechseln zwischen Fotos geht flott, mindestens so schnell wie bei Picasa, eher besser.
Dann gibt zwei Ansichten, die Erste davon das Übliche: Einmal alle Fotos straight nach Aufnahmedatum, Neueste zuerst. Hier positiv, das flotte Scrolling.
Die zweite Ansicht dagegen sortiert Fotos nach "Events", die dabei automatisch anhand des Aufnahmedatums detektiert werden. Shotwell hält dabei sogar Fotos vom selben Tag zwischen denen eine größere Pause liegt auseinander, was ich sehr praktisch finde.
Das ist schon mal deutlich praktischer als Picasa und F-Spot zusammen: F-Spot hatte zwar eine "Zeitleiste", die war aber viel zu grob. Picasa konnte sowas gar nicht.
Jetzt kommt aber das Beste: Wenn man einen ganzen Monat auswählt, kriegt man eine extrem sinnvolle Übersicht, die so aussieht:
![]()
Ohne meine Fotos zu kennen sieht das erstmal ganz gewöhnlich aus, aber der Clou ist, dass da genau ein Foto von jedem Event angezeigt wird. Das ist ja überhaupt nicht rocket science, aber super-praktisch, um sich einen Überblick zu verschaffen (man kann auch ein anderes als das erste Foto zum "Key Photo" machen, falls das Erste nicht so gut passt). So eine simple Idee, die ich aber bisher noch bei keinem anderen Tool gesehen habe!
Die eingebauten Bearbeitungstools sind extrem minimalistisch (crop, red-eye removal, auto-enhance und manual enhance), haben aber alles was ich will. crop kann aspect-ratio, manual enhance kann "Levels", Rest brauch ich eh nie oder gleich full-on gimp.
Auch drag'n'drop klappt ordentlich: Satz Fotos auswählen, in postr rüber ziehen, fertig. Ich meine, alle Mac/Win-Leute werden sich wundern dass ich sowas überhaupt erwähne, aber bei den beiden anderen Foto-Manager war das leider bisher nicht selbstverständlich (Grund ist, dass F-Spot Mono und Picasa Wine benutzen, was beides nicht perfekt mit "nativen" Linux-Apps oder auch Python-Apps wie postr zusammenspielt).
Letztes Schmankerl ist der fixe Import von der Kamera, da werden offensichtlich die EXIF-Thumbnails verwendet, wie sich das gehört, weil es sonst kaum so schnell wäre. Die Kamera wird auch automatisch detektiert und in der Sidebar angezeigt, so dass man jederzeit, auch teilweise, importieren kann. Außerdem fragt Shotwell nach dem Import ob die Fotos gelöscht werden sollen, was ich auch die sinnvollere Stelle finde.
Klar, es gibt auch noch diverse Mängel -- z.B. kein Tagging und man kann auch keine benutzerdefinierten Alben zusammenstellen, was ja doch oft wichtig ist. Da das aber beides keine schwierigen Sachen sind, hoffe ich, dass es bald kommt. Bei Export fehlt noch Einiges (es gibt nur in Foleder), aber wenn dort das "KIPI"-Plugin-Interface zum Einsatz käme, würde sich das auch schnell erledigen lassen.
Shotwell ist übrigens in Vala geschrieben, was ein von den gnome-Jungs entworfener Aufsatz auf 'C' ist -- voll kompatibel, deutlich leichter zu programmieren und mit direktem OO-Support für GObject. Damit kann man dann sogar mal wieder GNOME-Tools /fast/ nativ coden, statt nur in Python ;-)
Ich bin auf jeden Fall erstmal glücklich, endlich eine fixe und funktionale Lösung für mein Foto-Management gefunden zu habe und werd den Shotwell-Leuten gleich noch eine glühende Dankesmail schreiben :-)





