woc, ag ai und die nächste Zeit
Mon, 2010-01-25 21:34
Manche Themen kommen immer wieder, wirken aber nicht immer gleich. Aktuell: Women in Computing. Losgetreten hat es anscheinend dieses mal Clay Shirky, ich habs bei Tim Bray gelesen und, wie häufig, empfinde ich Tim's Meinung als ganz treffend.
Die Situation kann man eigentlich mit "gibt zuwenig" zusammenfassen, über die Gründe wird viel gestritten und diese Mal ist die Ansicht "Frauen promoten sich zu schlecht". Haben wir auch irgendwo schon mal gehört...
Ich sag jetzt mal, on the record: Männer sind zu schlecht dabei, sich gegenseitig Löcher in ihren Bullshit zu piksen und daher kommen die Bullshitter damit durch. Wie oft ich da schon gesessen, mich massiv belustigt oder gewundert habe und nix gesagt habe...und dabei bin ich eigentlich eher dafür bekannt, meine Klappe nicht halten zu können ;-) Der Grund ist natürlich, dass das eigentlich nicht geht, den Leuten auf den Kopf zu zu sagen, dass sie da gerade Müll reden. Auch wenns nötig wäre.
Warum mich das gerade trotzdem besonders interessiert, ist, weil ich ja auf Jobsuche bin. Nicht für sofort, aber für demnächst, und daher schau ich immer wenn mir ein nettes Paper oder so auffällt mal auf die Homepage der Gruppe. Was mir dabei immer wieder auffällt, ist, wie angenehm gestreut die Situation bei uns in der AG ist -- zumindest verglichen mit vielen anderen Informatikgruppen.
Aktueller Datenpunkt: Ich kann die Gruppenfotos mit nur Männern schon nicht mehr zählen. Wenn genau eine Frau drauf ist, ist es zu 90% die Sekretärin oder zu 5% irgendeine Tutorin und nur extrem selten eine wissenschaftliche Mitarbeiterin (bei Gruppen von mehr als 10 Leuten steigt die Wahrscheinlichkeit, aber richtig viel wird es nur selten).
Neben der ganzen Diversitätssache, wo es ja nicht nur um Frauen geht, habe ich aber noch ein anderes Kriterium, warum mir das wichtig ist: Meiner Erfahrung nach korreliert der Spackenanteil negativ mit dem Frauenanteil. Klartext: Wo mehr Frauen sind, sind auch die Männer weniger schlimm. Vielleicht besteht da sogar ein kausaler Zusammenhang: Frauen gehen nur da hin, wo die Männer einigermaßen OK drauf sind. Fände ich jetzt plausibel -- wenn man eh unterrepräsentiert ist, dann lieber bei 'nem netten Haufen.
Im weiteren Sinne landet das alles bei der m.E. nicht so geilen Personensituation im Informatikstudium allgemein. Nix gegen Nerds: Ich bin selbst einer, man braucht welche, die sind auch OK. Aber wie bei allen anderen Gruppen auch ist es nie verkehrt, wenn man nicht ausschliesslich unter sich ist.
Nerds wiederum werden, würde ich vermuten, von der Fachsituation angezogen und das scheint mir die eigentliche Krux zu sein: Das Berufsbild von Informatikern kommt einfach nicht besonders erstrebenswert rüber. Da kann man viel über falsche Perzeption reden, das entspricht ja nicht selten den Tatsachen. In der Robotik ist es noch ganz gut, und das ist vielleicht auch ein Grund für die eher positive Situation bei uns, aber es werden nun mal nicht alle Informatiker Robotiker oder was ähnliche Interessantes.
Solange sich an der Situation nix ändert, ändert sich auch an der Frauensituation nix (was nicht heisst dass man nichts machen soll, aber man darf da keine Wunder erwarten: Selbst das vorbildliche Programm der CMU hat nur 30% geschafft und m.W. ist das auch schon wieder gesunken). Wirklich Änderungen wirds nur geben, wenn sich am Inhalt des Studiums und an der Förderung für Frauen was verbessert. Glaub' ich ;-)
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